Schriftzug Lili und Lu
Tagebuch
    
Lili und Lu haben ein gemeinsames Tagebuch. Abwechselnd schreiben die beiden hinein, was sie erlebt, was sie gut oder nicht so toll gefunden haben. Vieles erfahren sie so voneinander, das sie nicht wusssten, sich vielleicht nicht sagen trauten.

Eigentlich ist der Inhalt des Tagebuchs streng geheim. Du darfst spicken, aber erzähle nichts davon weiter ...

Lili - 8. Januar

Gestern habe ich mit Lu und ihrer Mutter Meisenknödel gebastelt. Dazu haben wir Fett geschmolzen, mit Vogelfutter vermischt und zu Kugeln geformt. Nun warten wir, dass es endlich richtig kalt wird. Denn nur wenn der Boden gefrorern ist, soll man Vögel füttern. Bisher hatten wir nur ein paar Schneeflocken in diesem Winter. Ich habe sogar schon ein paar Schneeglöckchen entdeckt. Womöglich fällt der Winter in diesem Jahr aus?

Lu - Mitte Oktober

Juhu, es ist Herbst. Ich mag den Herbst, weil es früher dunkel wird. Wir erschrecken den Hausbesitzer Herr Griesknödel dann immer. Wenn er abends nach Hause kommt, halten wir im Dunkeln die Taschenlampen unter unser Kinn. Das sieht unheimlich aus. Biegt er um die Ecke, springen wir aus unserem Versteck. Ich weiß nicht, warum er jedes Mal wieder erschrickt. So langsam müsste er daran gewöhnt sein. Na, ja. Zwei Dinge stimmen nicht, in meinem Tagebucheintrag: 1. Erschrecke nur ich den Hausbesitzer, weil Lili Bammel hat, dass er es ihren Eltern erzählt. 2. Herr Griesknödel heißt in echt Giesködel. Aber bei dem Namen muss man ja was verdrehen.

Lili - Ende August

Die Sommerferien sind vorbei. Das ist schade. Lu und ich hatten viel Zeit, um miteinander in unserer Dachbodenhöhle zu hocken. Als Lu einige Tage verreist war, habe ich sieben Bücher durchgeschmökert. Die Geschichten hatten mich richtig reingezogen ins Buch. Meine Mama meinte, es wäre Zeit, dass Lu mich wieder aus meinem Dornröschenschlaf weckt. Und tatsächlich, seit Lu wieder da ist, habe ich keine Seite mehr gelesen. Keine Zeit dazu.

Doch jetzt geht die Schule wieder los und darauf freu ich mich auch. Ich mag es, Schulsachen kaufen zu gehen und in die neuen Hefte zu schreiben. Die Seiten fühlen sich glatt und kühl an und riechen ganz besonders. Und ich finde es spannend, wie der neue Stundenplan wohl aussehen wird und ob wir andere Lehrer bekommen.

Lu - 5. April

Schade. Ostern ist vorbei. Aber wenigstens haben wir noch einige Tage Ferien. Die Ostergeschenke für meinen kleinen Bruder Tim und mich waren wieder an sehr witzigen Orten versteckt. Einige Schokoeier lagen in einem unbewohnten alten Vogelnest am Balkongeländer. Mama-Mia musste mich hinschieben, damit ich einen Blick reinwerfe. Das war wirklich ein super Versteck. Das alte Vogelnest hängt dort schließlich immer. Wäre nie drauf gekommen, darin nach Ostereiern zu suchen.

Lili - 2. Januar

Hurra. Es hat geschneit. Lu freut sich auch. Sie fährt mit ihren Eltern gerne zum Skifahren. Ich kann nicht skifahren. Aber ich baue gerne Figuren aus Schnee. Keine langweiligen Schneemänner. Lieber forme ich Tiere: Schildkröten, Kanninchen, auch ein Elefant war mal dabei. War aber schwierig. Der Rüssel ist mir zweimal abgebrochen. Bis Papa mir geholfen hat. Er hatte die Idee, eine alte Stricksocke mit Schnee zu füllen und als Rüssel in den Schneekopf einzuarbeiten. Das sah schräg aus und witzig: Ein Rüssel mit Ringelmuster.

Lu - 7. Dezember

Heute musste ich in der Schule das Gedicht "Von drauß vom Walde komm ich her", auswendig aufsagen. Ich konnte es nicht gut. Am Wochenende war soviel los. Ich hatte keine Zeit zu lernen. Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt, auf der Nikolausfeier vom Turnverein, im Altenheim beim Plätzchenbacken. Komisch ist nur: Lili war überall mit dabei. Und sie konnte das Gedicht heute ohne Fehler aufsagen. Sie wollte mich in den letzten Tagen immer wieder abfragen, doch ich hatte keine Lust. Vielleicht hör ich beim nächsten Mal besser auf sie.

Lili - 3. November

Gestern war ich mit Lu im Wald. Wir haben bunte Herbstblätter gesucht. War Hausaufgabe für die Schule. Als wir genug gefunden hatten, trugen wir soviel Laub wie wir in der Nähe finden konnten, zu einem großen Haufen zusammen. Es war so witzig, sich reinplumpsen zu lassen. Am Schluss machten wir noch eine Laubschlacht und bewarfen uns gegenseitig damit. Wir hatten die Blätter überall. In den Haaren, im Mund, in den Jackentaschen. Beim Ausziehen gestern Abend fand ich sogar Blätter in meinem Unterhemd. Lu hat immer so lustige Ideen. Früher hätte ich sowas nicht gemacht, viel zu schmutzig ...

Lu - 6. Juli

In der Nähe hat ein großes Freizeitbad eröffnet. Lili und ich waren mit Mama-Mia und Paul da. Wir sind stundenlang durch die großen Röhren gerutscht. Lili hat sich am Anfang nicht getraut, doch nach einer Weile hat es ihr ebenso Spaß gemacht wie mir. Unsere Hände und Füße waren richtig schrumpelig hinterher.

Lili - 1. Juni

Lu und ich haben im März Tomaten und Sonnenblumen gesät. Die Plfanzen haben wir in große Blumenkübel gesetzt und auf den Balkon gestellt. Die Tomatenpflänzchen blühen bereits. Ich streichle jeden Tag ihre weichen Blätter. Lu findet, das geht alles zu langsam. Sie denkt sich Hexsprüche aus, dass es schneller geht, mit den Tomaten.

"Ringellöckchen, Hexensöckchen.
Wenn ich nach meiner Locke greif,
sind die Tomaten rot und reif."

Lu strengt sie so an, mit dem Hexen. Aber es klappt nicht ... Nun warten wir eben, bis die Tomaten von selbst reif werden. Auch auf die großen gelben Sonnenblumenblüten freue ich mich schon.

Lu - 26. Januar

Ich lach mich kaputt. Lili hat mir eben erzählt, dass sie sich an Karneval als "Frau Holle" verkleiden will. Nur weil das Motto auf dem Faschingsball "Märchen" ist. Ich frage mich, warum sie nicht als Hexe geht. Ich jedenfalls gehe auf jeden Fall als Hexe ...

Lili - 24. Oktober

Lu und ich waren beim "Rübengeistern". Statt aus Rüben haben wir die "Geister" aus Kürbissen geschnitzt und ein Teelicht hinein gestellt. Wir sind im Dunkeln abends in der Nachbarschaft von Haus zu Haus gezogen. Haben die Kürbisgeister mit der brennenden Kerze vor die Haustür gestellt und uns versteckt. Wenn die Tür geöffnet wurde, haben wir mit gruseliger Stimme gesungen: "Wir sind die Rübengeister und haben einen Meister, der Meister hat befohlen, wir sollen hier was holen." Die meisten Leute fanden "unseren Besuch" witzig und schenkten uns Süßigkeiten. Von einer Frau bekamen wir sogar jede ein 50-Cent-Stück. Ich war in diesem Jahr zum ersten Mal beim Rumgeistern. Ohne Lu hätte ich mich das nie getraut. Im Dunkeln, ohne Eltern. Ich dachte auch, die Nachbarn denken, wir ärgern sie. Aber Lu hat gemeint, das stimmt nicht, denn wir sind ja nicht fies. In Amerika sagen die Kids anscheinend: "Süßes oder Saures", das bedeutet, gib uns Süßes, sonst geben wir dir Saures, also machen was kaputt oder so. Das würden wir nicht machen. Lu ist echt so mutig und einfach supertoll. Ich bin so froh, dass sie meine Freundin ist.

Lu - Juli

Endlich Ferien. Mein Zeugnis ist ganz gut. Nur die Noten in Mathe und Bildender Kunst - oh je, oh je ...
Lili meinte, dass ich es gut habe. Ich könnte meinen Eltern gute Laune hexen, wenn sie wegen des Zeugnisses schimpfen. Aber das brauche ich nicht. Mama Mia und Papa Paul trösten mich eher. Nun gut, sie bohren mit dem Zeigefinger an meiner Stirn und sagen: "Da drin versteckt sich ein großartiges Geschenk. Wickel es endlich aus." Sie meinen damit, ich wäre ganz schön klug, nur müsste ich eben auch lernen und üben, um an meine Klugheit ranzukommen ... Oh, shcon so spät. Ich muss rüber zu Lili. Die bekommt sicherlich Ärger wegen ihrer Mathenote. Ich werde sie fröhlich "schnippsen".

Lili - 17. Juni

Juhu, heute ist Schulausflug. Wir besuchen den Ponyhof, auf dem ich mit meinen Eltern schon einmal war. Hoffentlich darf ich wieder "Silberhaar" reiten. Die Kätzchen von Katzemama "Söckchen" sind bestimmt schon groß. Vielleicht gibt es wieder Babykatzen. Ich freu mich schon so, kanns kaum erwarten.

Lu - 16. April

Heute hat es den ganzen Tag geregnet. Lili saß in ihrem Zimmer und lernte Mathe - wie langweilig. Ich bin raus zum Schneckensammeln. Das schönste Schneckenhaus habe ich Lilis Mutter geschenkt, weil sie gestern so leckeren Apfelkuchen gebacken hat. Sie hat gekreischt - die Schnecke wohnte noch drin. Ich fand sie so süß, besonders ihre winzigen Fühler. Hoffentlich hat Frau Seidel sie nicht zu sehr erschreckt.

Lili - 27. März

Gestern war Ostersonntag. Ich habe Inline-Skates bekommen.  Leider konnte ich sie nicht ausprobieren, weil es geschneit hatte. Heute Nachmittag war das Wetter schön und ich war ganz aufgeregt, als ich im Hof die Schuhbändel zuzog. Und jetzt bin ich sauer, denn ES KLAPPT NICHT. Mir rutschen dauernd die Füße weg, mein Knie ist aufgeschrammt, es macht überhaupt keinen Spaß. Lu ist nicht da, sie besucht  ihre Großeltern. Hoffentlich kommt sie bald zurück. Sie fährt super mit den Dingern. Mir ihr zusammen schaffe ich es. Sie zeigt mir, wie es geht und hext mich mutig. Dann können wir zusammen über den Hof flitzen.

Lili und Lu - 25. Januar

Wir gehen heute auf den Kinderfasching in die Stadthalle. In der Schule erzählte Frau Immergrün letzte Woche, dass es nur bei uns Fasching heißt. In anderen Teilen von Deutschland nennt man diese Zeit Karneval oder Fastnacht. Witzig, oder? Lili verkleidet sich als Hexe. Lu geht als Indianerin (Hexe ist sie ja das ganze Jahr). Unsere Kostüme hat "Mama-Mia", die Mutter von Lu genäht.  Lilis Mama schminkt uns nachher. Wir nehmen unser Taschengeld mit, denn auf der Fasschingsveranstaltung kann man Süßis kaufen, für 5 Cent das Stück: Gummischlangen, "Gummi-Wäscheleinen" oder saure Zungen. Sowas dürfen wir sonst nicht kaufen, aber unsere Eltern meinen, am Fasching wäre das o.k. Wir sind schon gespannt, als was Katharina sich verkleidet, vielleicht als gemeines Monster ... Hoffentlich ärgert sie nicht wieder alle, sonst muss Lu wohl was zaubern, oder Lili, weil sie heute ja die Hexe ist ...

Lili und Lu - 18. Dezember

Lu: Ich konnte lange nicht ins Tagebuch schreiben, wusste nich, wo es war . Lili war ganz schön sauer, dass ich es verbummelt hatte. So ordentlich wie sie ist echt niemand sonst. Zum Glück habe ich das Tagebuch wieder gefunden. Es lag in der Zimmer-Ecke unter den dicken Socken, die ich immer zum Schlittschuhlaufen anziehe. Als wir gestern mit Mama-mia auf die Eisbahn wollten - simsalabim, da lag es. Und ohne dass ich zaubern musste.
Lili: Igitt, Lu. UNTER DEINEN SCHMUTZIGEN SOCKEN! Und das seit dem letzten Mal Eislaufen. Das war ... vor DREI WOCHEN ...

Lili - 24. November

Nur noch einen Monat bis Weihnachten. Lu und ich haben heute unsere Weihnachtswunschzettel geschrieben. Ich wünsche mir eine Hängematte, die ich in meinem Zimmer aufhängen kann. Lu hat eine und ich finde das super. Aber wahrscheinlich sagen meine Eltern, dass die Wände kaputt gehen, wenn wir große Haken reindrehen.
Lu wünscht sich ein kleines Trampolin, dann kann sie in der Wohnung rumhopsen, ohne dass bei Herrn Griesknödel unter ihr die Lampen wackeln. Na, ja. Ein bißchen wackeln werden sie wohl schon - Lu ist ganz schön stark. Ich wäre auch gerne so gut in Sport wie sie ...